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aufrecht und treu lieben.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Religionsunterrichtsstunden als Kind. Ich saß mit vielen anderen Schwestern in einem mit Geborgenheit gefüllten Raum. Als die Lehrerin uns alle nacheinander fragte, ob wir den Propheten lieben würden, gaben alle sehr überrascht und irritiert zugleich die ein und die selbe Antwort. „Ja! Natürlich Hocam..“

Meine Lehrerin hielt für einen kurzen Moment inne, lächelte bescheiden und fuhr in einem weichen Ton fort: „Wie könnt ihr jemanden lieben, ohne ihn zu kennen?“ Dieser Satz genügte und brannte sich in mein Herz ein. Man liebte, in dem man lernte, kennenlernte. Man muss, egal, ob es Menschen, Tiere oder Städte sind, man muss sie kennen, um sie zu lieben. Man muss doch wissen, was man liebt. Man muss doch erkennen, was einem selber fehlt. Was man in der anderen Person findet. Man muss sich doch selber kennen, um zu wissen, was man liebt…

So begann ein spannendes Kapitel für mich, welches dank meiner Lehrerin auf eine provokatorische Art und Weise eingeleitet wurde. Ein Kapitel, in dem ich mich zum ersten Mal intensiv mit der Lebensgeschichte unseres Propheten auseinadergesetzt habe. Die Liebe begann an diesem Tag. Ich bedanke mich aus tiefstem Herzen, bei meinen Lehrerinnen, die uns all die Jahre geduldig und liebevoll auferzogen haben, uns in unseren Stärken bestätigt und uns Mut zugesprochen haben. Sie tragen einen großen Beitrag dazu, dass ich heute so bin, wie ich bin. Möge Allah zufrieden mit euch sein!

Heute geht es mir um die Liebe gegenüber Palästina…gegenüber der Al-Aksa Moschee..gegenüber unseren Schwestern und Brüdern

Als die Sonne im Meer verschwand

Ich habe in den letzten Wochen zwei Bücher von einer palästinensischen Autorin (Susan Abulhawa) gelesen. Sie schreibt über das Leben während des Krieges, über Liebe, Schmerz und Kummer. Sie schreibt über die Normalität eines Lebens, welches parallel zu einer Katastrophe abspielt. Sie schreibt mit Herz und Seele. Sie beschreibt das Leben der Palästinenser vor und nach dem Krieg. Sie schreibt über das, was viele nicht im Ansatz mitbekommen. Über die Liebe und den Schmerz.

Mir fiel auf, dass wir Muslime, vorallem diejenigen, denen es gut geht, die die in sicheren Verhältnissen leben und keinen Schimmer von Sorgen anderer Welten haben, eine Liebe gegenüber Palästina haben. Das ist selbstverständlich, dass wir unsere Geschwister lieben und mit ihnen fühlen. Es ist aber keine richtige Liebe, keine Aufrichtige, keine Treue..! Man meint immer, dass man seine Geschwister im Islam lieben würde. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Wie fühlt sich so eine Emotion an? Wie weit würde man dafür gehen, sich aufopfern? Wenn irgendwo auf der Welt ein Anschlag nach dem anderen passiert, egal ob Muslime oder Nichtmuslime, posten wir sofort Bilder. Wir posten Bilder von Menschen aus Palästina, wir posten die Al-Aksa Moschee, wir schreiben gross und fett „Free Palestine“. Aber jetzt mal Hand aufs Herz, fühlst du das in dem Moment auch so. Schmerzt dein Herz, weinst du? Hast du Todesangst um das Leben deiner Geschwister, machst du aus Verzweiflung Dua? Denkst du an sie langfristig?…Nein! Kein Bisschen. Du postest es und dann dann geht das Leben für dich weiter, du verschwendest keine weiteren Gedanken daran.

PS: Ich spreche von „Du“, aber die Worte gehen an mich selber..

Nachdem ich nur einen wenigen Einblick in das Leben anderer bekommen habe, gelesen, kennengelernt und fühlen durfte, entfachte sich schnell eine Flamme der Liebe. Ein kleiner Funken reicht aus, um diese Liebe, die wir Muslime ohnehin in unseren Herzen und unserer natürlichen Gegebenheit (Fitra) tragen, auszulösen. Deshalb möchte ich dich dazu ermutigen, dich mit der Geschichte Palästinas, mit Biographien auseinanderzusetzen, damit du eine aufrichtige Liebe pflegen kannst. Nur um aufrichtig und treu zu lieben…

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wie Worte anderer, dein Herz berühren und deine Wahrnehmung verändern können. Trau dich und liebe aufrecht und treu! So wie man einen Muslim auch kennt.

Während die Welt schlief

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit!

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