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Deine Wahrheit ist nur relativ.

Jeder betrachtet die Welt aus seinem eigenen Fenster…

Jeder lebt in seiner eigenen Welt. Jeder glaubt an seine eigene Wahrheit. Jeder glaubt, dass die eigene Wahrheit, die eigenen Einstellungen und Denkweisen zum Leben, einzig und allein die richtigen seien.

Oder? Habe ich unrecht? In den meisten Situationen sind wir doch von unseren Einstellungen und unserem Mindset über jegliche Themen überzeugt. Wenn wir auf Verhaltens-, und Denkweisen treffen, die sich nicht mit unseren Erfahrungen decken, empfinden wir diese meist als „Fremd“. Wir gehen sogar einen Schritt weiter: wir werten es ab und bewerten es als „Falsch“ oder „Negativ“.

Worauf ich heute hinaus möchte wird sich durch eine kurze Anekdote aus meiner Ausbildungszeit besser verdeutlicht:

Im letzten Jahr meiner Ausbildung therapierte ich einen älteren Patienten, der infolge einer Kehlkopfentfernung Sprach-, und Stimmtherapie in Anspruch nahm. Da er nach der Operation keine Stimme mehr verfügte, fehlte ihm unmittelbar nach der Operation und in den weiteren Wochen danach, die Möglichkeit der verbalen Kommunikationsaufnahme. Da er sich verbal noch nicht verständigen konnte, war es umso wichtiger die Therapie auf nonverbale Kommunikationsmittel wie beispielsweise Gestik und Mimik auszubauen. Als ich ihn anfangs therapierte, merkte ich schnell, dass der Patient mit dem asiatischen Hintergrund kaum bis gefühlt nie mit mir Blickkontakt hielt. Dies erschwerte die Kommunikation zwischen uns und durch diese Kommunikationsbarrieren entstanden häufig Missverständnisse. Der Patient wendete seine Blicke ab. Ich, als Therapeutin hatte den Eindruck, dass der Patient desinteressiert und demotiviert sei. Ich war sogar manchmal genervt von seinem Verhalten und konnte es mir nicht erklären. Bis sich schließlich herausstellte, dass der Patient das Halten des Blickkontaktes als unangenehm empfand und insbesondere den Blickkontakt mit einer Frau als unerwünscht. Als ich das erfuhr, konnte ich den Patienten erneut nicht verstehen. Für mich war es selbstverständlich, dass der Patient für eine qualitative Therapie mit mir den Blickkontakt hielt. Ich konnte das Verhalten einfach nicht nachvollziehen. Bis ich schließlich dieses Semester meine Hausarbeit über das Thema „Interkulturelle Kommunikation am Beispiel des Blickkontaktes“ schrieb.

Ich bin wirklich froh darüber, dass ich meine Hausarbeit über dieses wichtige Thema schrieb. Denn durch die Literaturrecherche und wichtige Hinweise meiner Dozentin, wurde mir bewusst, dass ich eine sehr „gefährliche“ Denkweise pflegte und engstirnig war. Ich empfand meine Erfahrungen und Denkweisen als die Richtigen. Dabei steckte ich in meiner eigenen Welt fest. Meine Wahrheit war relativ.

In der Hausarbeit thematisierte ich den Begriff „Überlegenheitsbewusstsein“. Diese besagt, dass jeder Mensch die feste innere Überzeugung pflegt, dass die eigene Kultur, die damit einhergenden Erfahrungen, Verhaltens- und Denkweisen, einzig und allein die Richtigen sein. Auf Fremdes reagieren viele abwertend und stellen es evtl. in Frage. Dabei denkt jeder, dass die eigene Wahrheit, die Richtige sei. Und genau dies zu reflektieren und dem bewusst zu sein, ist ein sehr wichtiger Prozess und eine wichtige Entscheidung. Wir müssen den Gedanken loslassen, dass unsere Wahrheit- DIE Wahrheit ist. Ja, klar..wir können unsere Einstellungen zum Leben und zu bestimmten Themen und Verhaltensweisen etc. haben, selbstverständlich! Trotzdem sollten wir dabei immer beachten, dass es nur die Wahrheit aus unserer Brille aus betrachtet ist. Wir müssen uns daran erinnern, dass es noch viele weitere Brillen gibt. Wir müssen in uns kehren und Verständnis zeigen können. In uns kehren und empathischer werden. Versuchen, den anderen wirklich zu verstehen. Versuchen, den anderen einfach anzunehmen. Es nicht zu werten. Einfach mal zu akzeptieren. Das eigene Verhalten und Denken zu reflektieren. „Open-Minded“ zu Sein meint genau das! Zu erkennen, dass die eigenen Brille, nicht die einzig Wahre ist. Zu wissen, dass es auch weitere Brillen gibt! Sich zu bemühen auch durch andere Gläser zu sehen.

Deine Wahrheit beschränkt sich nur an die Grenzen deiner Erfahrungen. Deine Wahrheit ist in Wahrheit eingeschränkt.

Daher: die Wahrheit, deine Wahrheit- sie ist nur relativ.

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